Wir erinnern an Josef Hilger
Josef Hilger, geboren am 19. Dezember 1907 in Mayen, Kreis Koblenz, gestorben am 26. Juli 1942 im KZ Buchenwald


Josef Hilger, geboren am 19. Dezember 1907 in Mayen, Kreis Koblenz, gestorben am 26. Juli 1942 im KZ Buchenwald
Josef Stefan Hilger, geboren am 19. Dezember 1907 in Mayen bei Koblenz / Eifel, katholisch, Buchhalter von Beruf. In der NS-Diktatur zweimal verurteilt wg. homosexueller Kontakte: Erstmals verurteilt in Koblenz im September 1936 zu zwei Monaten Haft, die er im Moorlager Börgermoor im Emsland verbüßen musste. Eine erneute Verhaftung wegen Verdachts, gegen §175 verstoßen zu haben, führte zu keiner Anklage. Das Verfahren wurde im Oktober 1938 eingestellt. Die zweite Verurteilung erfolgte am 19. Dezember 1939 vor dem Landgericht in Trier. Es war der Geburtstag von Josef Hilger. Die hohe Strafe von zwei Jahren Zuchthaus musste er voll verbüßen.
Nach voller Verbüßung der zwei Jahre Zuchthaus wurde er unmittelbar am Entlassungstag wieder verhaftet und in sogenannte Schutzhaft genommen. Am 20. Februar 1942 wurde er durch die Gestapo in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar deportiert. Dort wurde er – wie fast alle dortigen Rosa-Winkel-Häftlinge – dem schwersten Arbeitskommando im Steinbruch zugewiesen. Josef Hilger starb an den Folgen von Schikanen durch die SS-Wachmannschaften, körperlicher Schwerstarbeit, Auszehrung bei mangelnder Ernährung und katastrophalen Bedingungen im Lager am 26. Juli 1942. Der Totenschein wurde ausgestellt mit dem beschönigenden, doch falschen Eintrag: “Akute Herzschwäche”.
Josef Hilger wurde nur 34 Jahre alt.
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Der Kurztext neben dem obigen Foto von Josef Hilger gibt nur einen ersten, sehr komprimierten Überblick über dessen Lebens- und Verfolgungsgeschichte. Wie es dazu kam, dass er nach zwei Verurteilungen wegen homosexueller Kontakte im KZ Buchenwald starb, das alles finden Sie in dem ausführlichen Gesamtbericht “Wir erinnern an Josef Hilger “, der hier in der linken Spalte (rosa Button) als pdf zum Runterladen vorhanden ist.
Anhand von Fotos, Originaldokumenten aus Strafakten und aus dem Konzentrationslager Buchenwald wird der Lebensweg, soweit er rekonstruiert werden konnte, in einer ausführlichen “Geschichte” dargestellt.
Wie kam es dazu, dass im September 2026 zur Würdigung von Josef Hilger in Mayen ein Stolperstein verlegt wird?
Im Mai 2025 erhielt ich eine Anfrage von Frau Nicole Pohl, der Großnichte von Josef Hilger. Frau Pohl hatte sich mehrere Jahre mit dem Leben ihres Onkels auseinandergesetzt – zusammen mit ihrer Schwester. Sie hatten vieles zusammengetragen, sorgfältig recherchiert, und Frau Pohl sagte selbst: “Seitdem lässt mich seine Geschichte nicht mehr los. Ich habe mich immer gefragt, ob wir ihm auch einen Stolperstein widmen können, weil ich finde, dass wir es ihm schuldig sind und wir ihn in lebendiger Erinnerung halten wollen.”
Was dann weiter geschah?
Lesen Sie den Bericht von Nicole Pohl, der Großnichte von Josef Hilger “Wir erinnern an Josef Hilger”! Einfach eine wunderbare Würdigung ihres Großonkels. Es ist selten, dass Verwandte von verfolgten Homosexuellen am Tag der Verlegung vor Ort sprechen. Die Großnichten von Josef Hilger haben mir dankenswerterweise den Text des Redebeitrages bereits im Vorfeld der Verlegung übermittelt. Den Text finden Sie unter dem Button links “Redebeitrag zur Würdigung von Josef Hilger am Verlegetag des Stolpersteins“. Und ich danke ihr sehr für ihr Vertrauen und ihre akribische, genaue und auch durch die zahlreichen Bilder anrührende Darstellung.
Jürgen Wenke, August 2026
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Quellen: Privatbesitz Pohl/Hilger
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Am Wohnort von Josef Hilger und seiner Herkunftsfamilie in Mayen, Goethestr. 13, wurde am 1. Sept. 2026 ein Stolperstein zur Würdigung von und Erinnerung an Josef Hilger verlegt, in Vertretung des erkrankten Künstlers und Schöpfers der Stolpersteine Gunter Demnig übernahm Frank-Matthias Mann, Mitarbeiter im Stolpersteinprojekt, diese Aufgabe. In Mayen ist es der erste Stolperstein für einen Mann, der als Homosexueller verfolgt wurde.
Initiative zu dem Stolperstein, Forschung/Recherchen und Bericht zum Leben von Josef Hilger stammen von dessen Großnichten Nicole und Sylvia. Maßgebliche Unterstützung bei der Verlegung in Mayen leisteten Schüler und Schülerinnen und Lehrpersonal der BBS (berufsbildende Schule: Carl Burger Schule). Sie organisieren seit vielen Jahren die Stolpersteinverlegungen in Mayen und schaffen mit ihrem Engagement einen würdigen Rahmen.
