Buchempfehlungen und Beiträge zum Thema Homosexualität. Der Schwerpunkt liegt auf der NS-Zeit, es werden aber auch andere Aspekte/Themen dargestellt. Angesichts wieder zunehmender Hetze und Gewalt auch gegen Schwule, Lesben, Transgender habe ich mich entschlossen, noch eine weitere Kategorie von Literatur hier einzufügen: “Coming out”. (im weitesten Sinne) In einer Gesellschaft, in der es Mut und Unterstützung braucht, um so zu sein, wie Mann/Frau ist oder sein möchte, ist diese Rubrik als kleine Unterstützung gedacht.

Sie finden also in drei aufeinander folgenden Rubriken (durch scrollen nach unten) :

  1. Sachliteratur
  2. Lebensberichte / Biographien / Romane
  3. Coming-out Literatur

1. Sachliteratur

Joanna Ostrowska, Joanna Talewicz-Kwiatkowska, Lutz van Dijk (Hrsg.)

Erinnern in Auschwitz
auch an sexuelle Minderheiten
264 Seiten, Querverlag Berlin, 2020
ISBN 9783896562890
(die polnische Ausgabe ist geplant für Warschau 2021)
aus der Einleitung der Herausgeber*innen:
“Offiziell wurden nur Männer gemäß §175 verurteilt. Lesbische Frauen, Transsexuelle und weitere sexuelle und geschlechtliche Minderheiten wurden oft nach anderen Gesetzen als `Asoziale`oder `Kriminelle` belangt. Während die meisten Gedenkstätten ehemaliger Konzentrationslager in Deutschland und Österreich heute (häufig erst nach jahrelangen Widerständen) an das Leid homosexueller Opfer erinnen, gibt es dazu im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau noch immer, zumindest öffentlich zugänglich, nichts. Mit dieser Publikation können bestimmte historische Fakten nicht mehr ignoriert oder gar geleugnet werden.”

Redakcja Lutz van Dijk, Joanna Ostrowska, Joanna Talewicz-Kwiatkowska

Auschwitz. Pamięć o nieheteronormatywnych ofiarach obozu
Übersetzung: Agata Chmielecka, Filip Fierek,
262 Seiten, Neriton Verlag, 2021
ISBN 978-83-66018-88-4

Oficjalnie paragraf 175 penalizował wyłącznie relacje seksualne między mężczyznami. Prześladowanie lesbijek, osób transpłciowych, interpłciowych i biseksualnych odbywało się na podstawie innych przepisów, wymierzonych w osoby uznawane za „aspołeczne” czy „kryminalistów”. Podczas gdy w większości miejsc pamięci w Niemczech i Austrii dostrzeżono

cierpienie nieheteronormatywnych ofiar (choć po wieloletniej niechęci), Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau wciąż nie zdobyło się na podobny gest. Niektórych przywołanych w tej książce faktów nie da się nadal pomijać.

Pamięć o prześladowaniu mniejszości seksualnych w czasie wojny jest dziś w Polsce bardzo potrzebna. Brak edukacji historycznej dotyczącej tej grupy ofiar i – szerzej – zapomnianych ofiar nazizmu w istotny sposób wpłynął na homofobiczne nastroje w polskim społeczeństwie.

MORE LOVING
Männer, die sich lieben.

Elisabeth Sandmann Verlag 2025
ISBN 9783949582431

Augen. Blicke. Augenblicke. Strahlende Augen. Momente des Glücks. Der Nähe. Berührung. Berührungen. Intensiv. Nachspürbar.  Momente der Freiheit. Momente der Liebe. Augenblicke der Verliebtheit. Alles vereint im wunderbaren Fotoband „More Loving. Männer, die sich lieben“. Schwarz-Weiß-Bilder und doch entstehen in uns alle Farben des Regenbogens. Und dazu eine Vor- und Rückschau in 14 Seiten Text, die es in sich hat – ohne belehrend zu wirken.

Die beiden Sammler Hugh Nini und Neal Treadwell nehmen Stellung und nehmen sich die Freiheit, Gefühle zu zeigen und Gefühl zu wecken.

Ein Buch, das berührt. Jürgen Wenke, Okt. 2025

Dieser Band ist die Fortsetzung von LOVING (siehe weiter unten) aus dem Jahr 2020.

Thomas Sparr

COME OUT
Wie der Aufstand in der Christopher Street die Welt veränderte.

C. H. Beck Verlag , München 2026
ISBN 978 3 406 73440 3

Der Autor Thomas Sparr macht mit uns eine spannende, detailreiche Reise durch die Schwulen- und Lesbenbewegung seit Stonewall im Jahr 1969, als sich erstmals homosexuelle Männer und Frauen in der New Yorker Christopher Street gegen Polizeigewalt, Willkür, Schikanen und ständige Überwachung wehrten. Mit Taten und mit Worten.

Die gesellschaftliche Entwicklung, die Erfolge und Verbesserungen in Sachen Emanzipation und Akzeptanz seit dieser Zeit werden spannend und verständlich in einem gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang dargestellt. Aber auch Rückschläge, z.B. durch die AIDS-Katastrophe, Einbrüche, Widerstände sind Teil der Darstellung.

Aus dem Text (Zitat von Seite 92 des Buches): … Davon sprach auch eine gewisse Frau Schmidt, als sie dem Historiker Benno Gammerl vom Christopher Street Day 1979 in Bremen erzählte: „Die Solidarität mit den anderen lesbischen und schwulen Demonstrant*innen stärkte ihr Selbstbewußtsein. Aber gleichzeitig erschrak sie fürchterlich, als ein älterer Mann am Straßenrand ihr mit einer Geste bedeutete, dass man sie alle umbringen sollte.“ …

Was wie Vergangenheit zu klingen scheint, ist Gegenwart im Juli 2026: Der Anschlag gegen Teilnehmende des CSD Berlin – und damit auf die gesamte Community – macht deutlich, dass wir nicht nachlassen dürfen, uns gegen Unterdrückung und Ausgrenzung und Gewalt zu wehren, auch wehren gegen islamistischen Terror und auch und gerade gegen Hetze und Handlungen einer in Teilen als gesichert rechtsextremen AFD, deren propagiertes Familien- und Gesellschaftbild mit einer modernen, toleranten und freien Gesellschaft nicht vereinbar und menschenverachtend ist.

Der Fortschritt, den wir durch das ständige und solidarische Engagement mehrerer Generationen von Lesben und Schwulen und deren Unterstützerinnen und Unterstützer erlangt haben, bleibt nicht ohne unsere Wachsamkeit und nicht ohne unseren Einsatz erhalten!

Jürgen Wenke, Juli 2026

Anno Mungen

Von Bayreuth nach Auschwitz
Oper – Politik – Gewalt

Westendverlag, Neu-Isenburg, 2026
ISBN 978-3-98791-343-3

Von Bayreuth nach Auschwitz– eine intensive, detailreiche Aufarbeitung der Judenfeindlichkeit von Richard Wagner und seinen Nachkommen, der Menschenverachtung und der Funktion der Oper und des Nutzens und des Benutzens der Wagnerschen Musik durch das Nazi-Regime. Gelungen! Und den Autor qualifiziert nicht nur seine Fachlichkeit und seine enorme Forschungsarbeit sondern auch die Tatsache, dass er nicht familiär verstrickt ist mit den Wagners. Waren die deutlich früher entstandenen Bücher von Friedelind Wagner (um 1945) und Gottfried Wagner (1997) noch geprägt von der familiären Subjektivität, Bedrohung, Streit und massiven Kränkungen und Absetzbewegungen, so leidet das Buch von Anno Mungen nicht unter diesen Einschränkungen.

Beeindruckend, wie in fast sezierender Weise die Zusammenhänge von Oper, Politik und Gewalt offengelegt werden.

Besonders intensiv ist das Buch in den Kapiteln, die sich mit den Hauptverbrechern der NS-Diktatur: Goebbels, Ley, Frank, Himmler und Hitler und ihren Verbindungen zur Wagner-Musik und dem Wagnerclan befassen.

Dass der Autor mit seinem Buch, seinen Vorlesungen, seiner öffentlicheitswirksamen „Aufklärungsarbeit“ einen, vielleicht den wichtigsten Anstoß gibt für ein NS-Dokumentationszentrum in Bayreuth, ist sein vielleicht größter Verdienst. Es hat lange gedauert, über 90 Jahre nach Ende der NS-Diktatur ist es spät – aber nie zu spät. Denen, die die Geschichte vergessen machen wollen, warten schon und betreiben ihr geschichtsvergessenes, antidemokratisches “Geschäft”.  Auch dieses Buch hält dagegen: Aufklärung und Erinnern als demokratisches Konzept.

Jürgen Wenke, August 2026

Begleitheft zur Ausstellung “gefährdet leben” 
Queere Menschen 1933-1945
Diese Broschüre dient als Begleitheft zu der am 29.11.2023 im Bundestag (Paul-Löbe-Haus) eröffneten Wanderausstellung. Ab 2024 wird die Ausstellung an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt.

Es handelt sich um ein Projekt der Bundestiftung Magnus Hirschfeld.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf:

www.gefaehrdetleben.de

Anmerkung: Innerhalb der o.g. Ausstellung werden auch insgesamt 10 Lesemappen  mit Portraits und Lebenswegen von unterschiedlichen Menschen präsentiert, die die Verfolgung in der NS-Zeit hautnah erlebt haben. Eine dieser Personen ist der Auschwitz-Überlebende, Schauspieler und Zeitzeuge Kurt Brüssow. (Deckblatt dieser Lesemappe zu Kurt Brüssow ist hier abgebildet.) Eine ausführliche Darstellung seines Lebensweges finden Sie außerdem unter dem Titel “Was bleibt, wenn der Vorhang fällt.” auf dieser Homepage. (siehe auch weiter unten in der Rubrik Lebensberichte/Biographien/Romane)

Jürgen Wenke

Portrait Uta Ranke-Heinemann

An dieser Stelle steht ein Portrait der Kirchenkritikerin Uta Ranke-Heinemann, dass die Westdeutsche Allgemeine Zeitung 2026 veröffentlicht hat. Darin gibt es auch einen Verweis auf ihr bekanntestes Werk: “Eunuchen für das Himmelreich”. Hut ab vor einer couragierten, emanzipierten Frau, die die Scheinheiligkeit der katholischen Funktionäre nicht beschönigt.

Jürgen Wenke

Albert Knoll (Hrsg.):
Der Rosa-Winkel-Gedenkstein
Die Erinnerung an die Homosexuellen im KZ Dachau.
117 Seiten, München 2015,
ISBN 978-3-935227-19-3

Totgeschlagen – totgeschwiegen“ lautet der Text auf der Gedenktafel für die Rosa-Winkel-Häftlinge. Es war der Wunsch der Münchner Schwulengruppen, dass diese Tafel aus rosa Marmor 1985 im Museum der KZ-Gedenkstätte Dachau aufgestellt würde, um wenigstens einen Hinweis auf die Verfolgung von Homosexuellen zu geben. Es folgte jedoch ein lang andauernder Kampf gegen alte Vorurteile, die unter den Überlebenden des KZ, aber auch unter Politikern noch lange lebendig waren. Ein steter Druck der homosexuellen Szene, getragen vom Wandel des Zeitgeistes, setzte sich schließlich durch. Nach zehn langen Jahren war endlich das Ziel erreicht, die schwulen Opfer des Konzentrationslagers waren hinsichtlich des Gedenkens auf einer Augenhöhe mit ihren Leidensgenossen angekommen, die von den etablierten Opferverbänden vertreten werden. Die Auseinandersetzung um die lange Zeit verfemte Opfergruppe der Homosexuellen begann vor 30 Jahren. Aus diesem Anlass beleuchtet dieses Buch die Hintergründe der Verfolgung ebenso wie das Ringen um ein angemessenes Gedenken.

Joanna Ostrowska
ONI
Homoseksualiści w czasie II wojny światowej
[Sie. Die homosexuellen Männer in der Zeit des Zweiten Weltkrieges]
368 Seiten, Krytyka Polityczna Verlag, 2021
ISBN 978-83-66586-58-1

Nieliczni Niemcy, którzy wykorzystywali seksualnie i dręczyli innych więźniów w nazistowskich jednostkach penitencjarnych – tak określano w Polsce mężczyzn skazanych w latach 1933–1945 na mocy paragrafu 175 piętnującego relacje homoseksualne.

„Oni” byli obcy; byli drapieżcami i było ich bardzo niewielu. Z tych trzech powodów nie zajmowano się ich historią, nie upamiętniano i nie traktowano jako ofiar nazistowskiego systemu. Ocaleńców przemilczano. W Polsce „takich” ludzi miało nie być.

Homoseksualnych mężczyzn aresztowano i więziono w Rawiczu, Międzychodzie, Wronkach, Strzelcach Opolskich, czy Tarnowie. Wywożono do KL Sachsenhausen, KL Buchenwald, KL Mauthausen, KL Gross-Rosen, kompleksu obozowego Auschwitz-Birkenau-Monowitz oraz na Majdanek. Ginęli w jednostkach penitencjarnych na terenie Rzeszy a jeśli udało im się przeżyć, wracali do domu. Ich groby można odnaleźć na polskich cmentarzach. Opowieść o nich nie składa się wcale z pojedynczych śladów. Nawet jeśli ich biografie są niepełne, często urwane lub pozbawione finału, to tworzą rozbudowany wielogłos.

Historia osób nieheteronormatywnych w czasie II wojny światowej nadal pozostaje w sferze tabu. Siedemdziesiąt pięć lat po zakończeniu wojny nie ma w Polsce praktycznie żadnych publikacji na ich temat, trudno o nawet drobne fragmenty w ogólnych opracowaniach.

„Oni” nie istnieją z naszej winy. Zamazani przez przedwojenne fantazmaty podsycane nazistowską propagandą i perwersyjne plotki wojenne i obozowe, zrównani zostali z bezimiennymi uwodzicielami, kryminalistami, aspołecznym elementem. Przeciwko tym wyobrażeniom trzeba się wreszcie zbuntować, a o „nich” nie da się już dłużej milczeć.

Joanna Ostrowska
JENE
Homosexuelle während des zweiten Weltkrieges

Metropol Verlag, Berlin, 2023

aus dem Polnischen übersetzt von Beate Kosmala

ISBN 978-3-86331-696-9

Jene, das sind die Anderen, die Homosexuellen, deren Anerkennung als Verfolgte des Nazi-Regimes überall in Europa lange auf sich warten ließ. In den polnischen Gedenkstätten für die deutschen NS-Konzentrationslager werden sie meist verschwiegen. Bis heute herrscht ein stereotypes Bild der Häftlingsgruppe: Es habe sich um relativ wenige Gefangene gehandelt, die überdies meist deutscher Nationalität gewesen seien. In der Nachkriegszeit galten sie als “Fremde” und geradezu als “Raubtiere”, nicht der Würdigung wert. In ihrer minutiösen Auswertung von NS-Sondergerichtsakten und anderen Quellen gelingt Joanna Ostrowska, das Bild über “Jene” zu korrigieren. Sie zeichnet die bewegende Schicksale von Männern verschiedener Nationalität nach, die gemäß Paragraf 175 verurteilt und in Gefängnisse und Konzentrationslager eingewiesen wurden. – Soweit der Text auf dem hinteren Buchdeckel.-

Ich meine, dass das Buch viel mehr enthält: Wir werden ausführliche informiert über die Wirkung des Paragrafen 175 – nicht nur in Deutschland, sondern auch in den von Deutschen besetzten und bekämpften Nachbarländern, wir erfahren viel über Ausgrenzung, Schweigen, Falschdarstellungen, über den Lebenswillen von Verfolgten, über Angehörige und deren Schweigen, über Freundschaften und immer wieder über Grundsätzliches im Zusammenhang mit der Verfolgung von Männern, die mit Männern sexuelle Kontakte hatten und deshalb stigmatisiert wurden.

Im Vorwort schreibt Joanna Ostrowska: “Das “Jene” nicht existieren ist unsere Schuld; sie wurden verdrängt durch Vorkriegsphantasien, die von der Nazi-Propaganda und und perversem Kriegs- und Lagergerede geschürt wurden. Gleichgesetzt mit namenlosen Verführern, Kriminellen und asozialen Elementen bilden “sie” den düsteren Hintergrund, vor dem sich umso leuchtender das Heldentum der Patrioten abhebt. Sie waren nicht nur vonseiten der Täter Gefahren ausgesetzt, sondern wurden auch die “homosexuelle Seuche” bedroht. Gegen diese Wahrnehmung muss man endlich rebellieren, man darf nicht länger über “jene” schweigen.”

Weiter schreibt sie: “Ich wäre dankbar, wenn Sie dieses Buch in dem Bewusstsein lesen, dass die polnische Geschichtsschreibung – unabhängig von der Epoche –  über die Jahre hinweg taub für queere Geschichten geblieben ist.”

Dem wäre noch hinzuzufügen, dass auch in Deutschland lange Zeit eine Taubheit für queere Geschichten herrschte und teilweise noch heute Ignoranz und Unwissenheit eine unheilige Allianz eingehen in Bezug auf die Verfolgung von homosexuellen NS-Opfern. 

Dieses Buch leistet fundiert und mit viel Sachkenntnis und auch Herzblut Aufklärung im besten Sinne. Ein wichtiges Pionierwerk!

Jürgen Wenke, Frühjahr 2024

Weitere Buchempfehlung (siehe weiter oben): Erinnern in Auschwitz, Hrsg. von Joanna Ostrowska, Joanna Talewicz-Kwiatkowska und Lutz van Dijk, sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache erschienen.

Wenn Sie mehr über die Autorin erfahren möchten:

Andreas Brunner, Hannes Sulzenbacher (Herausgeber)
HOMOSEXUALITÄT UND NATIONALSOZIALISMUS IN WIEN
254 Seiten, Mandelbaum Verlag, Wien, Berlin, 2023
ISBN 978-3-99136-022-3

Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus war lange Zeit kein Thema nach 1945 – weder in Österreich noch in Deutschland. Seit ca. 20 Jahren wird die Aufarbeitung durch engagierte Forscherinnen und Forscher in beiden Ländern vorangetrieben. Dieses wichtige Buch beleuchtet in zahlreichen Beiträgen unterschiedliche Themen, z.B. zur Verfolgung homosexueller Frauen, zur Homosexuellen-Verfolgung durch die Gestapo, zum Thema Kastration, usw.

Während im sogenannten “Altreich”  der §175 des Strafgesetzbuches ausschließlich Männer mit Strafandrohung verfolgte, war in Österreich der §129 Grundlage der strafrechtlichen Verfolgung sowohl von Frauen als auch von Männern. Nach 1938 wurde dann in der sogenannten “Ostmark” der §175 zusätzlich zur Verfolgung von homosexuellen Männern eingesetzt. Das Buch zeigt auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten der NS-Verfolgung in den beiden NS-Reichsgebieten auf.

Eine Fülle von Aspekten und zahlreiche Personenbeispiele, Zitate aus Originalakten usw. veranschaulichen, in welch hohem Maße lesbische Frauen und schwule Männer von der NS-Diktatur bedroht wurden.  Für zahlreiche Verfolgte führte die Verfolgung in den Tod, den physischen und den sozialen Tod.

Ein fundierter Band – wichtig für die Aufarbeitung!

Jürgen Wenke, März 2024

Drei weitere Empfehlungen, siehe auch unter dem Literaturbereich “Lebensberichte/Biographien/Romane” weiter unten auf dieser Seite:

  1. Andreas Brunner: “Als homosexuell verfolgt”, Wiener Biographien aus der NS-Zeit. Mandelbaum Verlag, 2023
  2. Jürgen Pettinger: “Franz”, Schwul unterm Hakenkreuz, Kremayr & Scheriau Verlag, 2021
  3. Jürgen Pettinger: “Dorothea”, Queere Heldin unterm Hakenkreuz, Kremayr & Scheriau Verlag, 2023

Rosa Winkel
Als homosexuell verfolgte Häftlinge in den Konzentrationslagern Buchenwald und Mittelbau-Dora
108 Seiten, Weimar 2023
ISBN 978-3-935598-13-6

Dieser Begleitband zur Wanderausstellung:

„Rosa Winkel. Als homosexuell verfolgte Häftlinge in den Konzentrationslagern Buchenwald und Mittelbau-Dora“

ist u.a. das Ergebnis engagierter Arbeit zahlreicher Studierender der Universität Jena.Im Vorfeld zur Erarbeitung dieser Ausstellung nahmen im Jahr 2022 die Studentinnen Frau Meuche und Frau Mendler zu mir Kontakt auf. Wir klärten ihre Fragen zu den zahlreichen Biographien von verfolgten Rosa-Winkel-Häftlingen, die ich seit 2006 erarbeitet und auf dieser Homepage veröffentlicht habe –  und die auch zu Stolpersteinen zur Würdigung der verfolgten Männer geführt haben. Es freut mich, dass von den Studierenden verfasste Kurzportraits von

Oskar Nagengast (Stolperstein in Hattingen, 2014)

Ernst Papies (Stolperstein in Gelsenkirchen, 2015)

Wilhelm Güte (Stolperstein in Bochum, 2015)

August Zgorzelski (Stolperstein in Duisburg, 2018) 

Heinrich Weidinger (Stolperstein in Jena, 2019)

in den Begleitband und in die Ausstellung eingearbeitet wurden. Ausführliche Portraits der oben genannten Buchenwald- und Mittelbau-Dora-Häftlinge, die weit über den innerhalb einer Wanderausstellung möglichen Umfang hinausgehen, finden Sie hier auf dieser Homepage www.stolpersteine-homosexuelle.de . Ebenso finden sie hier auf der Homepage weitere Biographien von Häftlingen, die in Buchenwald bzw. Mittelbau-Dora ermordet wurden oder überlebten oder von dort in ein anderes Konzentrationslager verschleppt wurden:

Friedrich Wessel (Stolperstein in Bochum-Wattenscheid 2011)

Alfred Quaas (Stolperstein in Essen, 2011)

Arthur Herrmann (Stolperstein in Gelsenkirchen, 2012)

Wilhelm Erdmann (Stolperstein in Witten, 2014)

Julius Schmidt (Stolperstein in Velbert, 2012 und 2021)

Josef Wesener (Stolperstein in Gelsenkirchen, 2016)

Heinrich Kamps (Stolperstein in Viersen, 2020)

Max Glass (Stolperstein in Konz bei Trier, 2021)

Kurt Koch (Stolperstein in Halle a.d.Saale, 2022)

Der Begleitband zur Wanderausstellung kann auch direkt bestellt werden über den Shop der Gedenkstätte Buchenwald:

Gedenkstätte Buchenwald

Ich wünsche der Wanderausstellung viele gute Orte und viele interessierte Besucherinnen und Besucher.

Jürgen Wenke

Martin Lücke, Anna Katharina Mangold (Hrsg. Bundesstiftung Magnus Hirschfeld)

Verfolgung, Widerstand, Selbstbestimmung
Zur Geschichte und Gegenwart queerer Menschen in Deutschland
92 Seiten, Wallstein Verlag, Göttingen, 2023
ISBN 9783835355491
In diesem Band aus der Reihe “Hirschfeld Lectures” wird der aktuelle Stand der Geschichte und Gegenwart queerer Menschen in Deutschland in komprimierter Weise dargestellt: Neben den präzisen und ausführlichen Analyse-Beiträgen von Martin Lücke und Anna Katharina Mangold finden sich u.a. die Redebeiträge der Bundestagspräsidentin Bärbel Bas anläßlich der Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag am 27. Januar 2023 und der Schauspielerin Maren Kroymann zum Lebensweg von Mary Pünjer und des Schauspielers Jannik Schümann zu Karl Gorath. Der Band schließt mit einem Nachwort von Lutz van Dijk, der den Weg zur Gedenkstunde 2023 im Deutschen Bundestag beschreibt. Ohne den Einsatz von Lutz van Dijk über viele Jahre für die erstmalige thematische  Ausrichtung der Gedenkstunde des 27. Januars (Auschwitz-Gedenktag) mit Schwerpunkt der Würdigung von queeren Menschen wäre vermutlich diese Gedenkstunde  am 27.1.2023 nicht zustande gekommen. Auch die nachfolgende Ausstellung “gefährdet leben” im Herbst 2023, (Eröffnung im Bundestag am 29.11.2023, siehe weiter unten in dieser Literaturliste)  ist eine logische Fortsetzung dieses Einsatzes.

Mein besonderer Dank und Respekt gilt Lutz van Dijk und seiner unermüdlichen Tätigkeit für Demokratie und Gleichberechtigung.

Jürgen Wenke

Schwules Museum und Akademie der Künster (Hrsg.)
Goodbye to Berlin? 100 Jahre Schwulenbewegung

Verlag Rosa Winkel, Berlin 1997, 384 Seiten
ISBN des Katalogs 386149051X
Gebundene Buchhandelsausgabe ISBN 3861490625

Im Mitglieder / Fan – Magazin des FC Schalke 04, “Schalker Kreisel”, erschien im Januar 2021 ein lesenswerter Beitrag zum Auschwitz-Gedenktag 27. Januar.

Königsblau startet Aktionswoche zum Gedenktag 27. Januar

# stehtauf
Der Beitrag befasst sich einerseits mit dem Gedenken an die schwulen Opfer der NS-Zeit, hier speziell die Männer aus Gelsenkirchen. Andererseits befasst er sich auch mit den aktuellen Diskussionen und Entwicklungen beim Thema “Homophobie im Fußball”.  Der Beitrag schlägt eine Brücke zwischen Erinnern und Würdigen einerseits und heutigen Vorurteilen andererseits. Der Beitrag kann hier als pdf gelesen und runtergeladen werden.
Jürgen Wenke
Quelle: Magazin Schalker Kreisel, Januar 2021

https://www.stolpersteine-homosexuelle.de/wp-content/uploads/2021/03/Schalke-04-Magazin-Januar-2021-Auschwitz-Gedenktag-27.-Januar.pdf

Im Monatsmagazin (Österreich) “DATUM” von November 2021 wurde ein Beitrag der Journalistin Emilia Garbsch veröffentlicht, der das Thema “Wie können wir die Erinnerungskultur erhalten, wenn Zeitzeugen nicht mehr berichten können?” in den Mittelpunkt stellt. Ein Teil dieses Beitrags beschäftigt sich mit der nichtinstituionellen Erinnerungskultur am Beispiel meiner Initiative zur Würdigung von Kurt Brüssow mittels Bericht und Stolperstein. Der Beitrag kann hier als pdf gelesen und runtergeladen werden. siehe rosa Button
Jürgen Wenke

Günter Grau
Lexikon zur Homosexuellenverfolgung 1933-1945
Institutionen-Personen-Betätigungsfelder
Lit Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783825897857

Benno Gammerl
Anders fühlen
Schwules und lesbisches Leben in der Bundesrepublik
Eine Emotionsgeschichte
Carl Hanser Verlag, München 2021
ISBN 9783446269286
Textauszug Umschlagrückseite:

Von heimlichen Begegnungen zum Christopher Street Day, vom §175 zur Ehe für alle – die Wege schwulen und lesbischen Lebens in Deutschland waren steinig. ANDERS FÜHLEN ist die erste umfassende Geschichte der Homosexualität in der Bundesrepublik – und wirft zugleich ein neues Licht auf die deutsche Nachkriegsgeschichte.

Joachim Müller, Andreas Sternweiler
Homosexuelle Männer im KZ Sachsenhausen
Schwules Museum Berlin
Verlag rosa Winkel, Berlin 2000
ISBN 3861490978

Rosenkranz, Bollmann, Lorenz
Homosexuellenverfolgung in Hamburg 1919-1969
Lambda Verlag, Hamburg 2009
ISBN 9783925495328

Annegret Schüle
Industrie und Holocaust
Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz
Herausgeber: Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
Wallstein Verlag, Göttingen 2010
ISBN 9783835306226

Rainer Hoffschildt
Die Verfolgung der Homosexuellen in der NS-Zeit
Zahlen und Schicksale aus Norddeutschland
Verlag rosa Winkel, Berlin 1999
ISBN 386149096X

Ralf Jörg Raber
Wir sind wie wir sind
Ein Jahrhundert homosexuelle Liebe auf Schallplatte und CD
Eine Dokumentation
Männerschwarm Verlag, Hamburg 2010
ISBN 9783939542919

Richard Plant
Rosa Winkel
Der Krieg der Nazis gegen die Homosexuellen
Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1991
ISBN 3593344203

LOVING
Männer, die sich lieben.

Elisabeth Sandmann Verleg 2020
ISBN 9783945543825

LOVING präsentiert uns in 350 erstmals veröffentlichten Bildern die Kraft, die Magie der Liebe, zeigt sie in ihrer Fürsorge, Mitmenschlichkeit, im Menschsein, als Universalkategorie. Der opulente Bildband wirft ein neues Licht auf die Universalität der am meisten geschriebenen, inszenierten oder gefilmten Emotionen – der Liebe. Ihre Botschaft ist für alle da.

Das sind Volksfeinde
Die Verfolgung von Homosexuellen an Rhein und Ruhr 1933-1945
Herausgeber: Centrum Schwule Geschichte, Köln 1998
ISBN 3897051249

Zwischen Verfolgung und Selbstbehauptung
Schwul-lesbische Lebenswelten an Ruhr und Emscher im 20. Jahrhundert
Herausgeber: Frank Ahland (Hg.)
ISBN 978-3-86408-212-2

Bernd -Ulrich Hergemöller
Mann für Mann
Ein biographisches Lexikon
Suhrkamp Verlag, , 2001
ISBN 3518397664
Text der Umschlagrückseite:
Das biographische Lexikon von Bernd-Ulrich Hergemöller mit über tausend Portraits zeigt, wie Männer seit dem frühen Mittelalter mit “mannmännlicher” Liebe und Sexualität umgegangen sind, es schließt lexigraphfische Lücken, lüftet Tabus und macht deutlich, daß Männerfreundschaft und Homosexualität zu keinem Zeitpunkt ein “Privileg” nur von Künstlern und Schriftstellern war.

Emil Büge

1470 KZ-Geheimnisse
Heimliche Aufzeichnungen aus der Politischen Abteilung des KZ Sachsenhausen Dezember 1939 bis April 1943
Metropol Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783863310011

Ohne die mutigen Aufzeichnungen des Sachsenhausen-Häftlinges Emil Büge würden wir heute  u.a. nicht mehr die Namen von zahlreichen Männer kennen, die in Sachsenhausen als Homosexuelle eingesperrt und drangsaliert wurden. Emil Büge gibt einen authentischen Einblick in die Abläufe im KZ Sachsenhausen – und zwar aus der Häfltingsperspektive.

Reinhard Schmidt (Herausgeber)

HAG Homosexuelle Aktionsgruppe Bochum
Beginn der homosexuellen Emanzipation im Jahr 1970
Books on Demand, Norderstedt 2020
ISBN 9783752630039

Im Jahr 1969 wurde der §175 StGB zum ersten Mal revidiert. Homosexualität zwischen Männern war nicht mehr strafbar. Dadurch war es 20 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland möglich, sich als Homosexueller zu bekennen und in der Öffentlichkeit für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung sexueller Minderheiten einzutreten. Die HAG Bochum machte im darauf folgenden Jahr den Anfang und leitetet damit die dritte Homosexuellenbewegung ein. Aus Anlass des 50sten Jahrestages dieser epochalen Leistung erscheint diese Veröffentlichung.

Hans Hesse

Stolpersteine
Idee.Künstler.Geschichte.Wirkung
Klartext Verlag, Essen, 2017
ISBN 9783837515473

Mittlerweile erinnern bald 100.000 Stolpersteine in Europa an die Opfer der Nationalsozialisten. (Fast) jeder und jede kennt sie.
Dieses Buch stellt die Geschichte des Projektes vor, den Künstler Gunter Demnig, die Wirkung der Stolpersteine und vieles mehr. Auch alle, die sich selbst mit der Idee beschäftigen, sich an dem beindruckenden Erinnerungsprojekt “Stolpersteine” aktiv zu beteiligen, sei dieser ausführliche Bild- und Textband empfohlen.           Jürgen Wenke, 2021

Burkhard Jellonnek
Homosexuelle unter dem Hakenkreuz
Paderborn, Verlag Schöningh
ISBN: 978-3506774828Z

2. Lebensberichte/ Biographien/ Romane

Jürgen Wenke
Was bleibt, wenn der Vorhang fällt?

Der Lebensweg des Schauspielers Kurt Brüssow – § 175-Häftling und Auschwitz-Überlebender
Die 100seitige Biographie ist nicht im Buchandel erhältlich. Da ich erreichen möchte, dass Interessierte kostenlos die Geschichte des Kurt Brüssow lesen können, kann über den angegebenen link die pdf-Datei heruntergeladen werden.  Jürgen Wenke

Schneider, Wenke, Schmidt:
Leben im Abseits
Agnes und Wilhelm Hünnebeck aus Bochum
Verfolgt als Mischling ersten Grades (Agnes und Wilhelm), verurteilt als Homosexueller (Wilhelm)
Herausgeber: Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte
Klartext Verlag, Essen 2009
ISBN 9783837502053

Lutz van Dijk
Die weite Welt

Querverlag Berlin, 2026, 336 Seiten

ISBN 978-3-89656-365-1

Haltung und Handlung, Empfindungsfähigkeit und Einsatz, Berührung und Beständigkeit. Über 50 Jahre dem Leben Sinn geben. Und wir als Lesende dürfen dabei sein. Wunderbar! Lesen und sich berühren lassen! Ein Stück Zeitgeschichte – aber ganz anders.

Jürgen Wenke, März 2026

Auf dieser Homepage finden Sie eine Auswahl weiterer Bücher von Lutz van Dijk:

  • Erinnern in Auschwitz
  • Verdammt starke Liebe
  • Der Attentäter
  • Irgendwann die weite Welt

15. Juni 2026: Auf seiner Lesereise zu “Die weite Welt” war eine Station Bochum. Lutz (Mitte) wurde begrüßt von Kalle Wilhelmi (Mitbegründer und langjähriger erster Vorsitzender des Vereins “Rosa Strippe”) und Jürgen Wenke (Forscher und Betreiber dieser Homepage).

Es war ein sehr berührender Abend mit ca. 30 Gästen. Danke Lutz für Deinen Besuch und die wunderbare Herzensarbeit! Jürgen

Abdellah Taia
Die Bastion der Tränen

Orlanda Verlag GmbH

Jahr 2026, 188 Seiten

ISBN 978-3-949545-85-6

Youssef will sich erinnern. Er, der mit 25 Jahren aus seinem Geburtsland Marokko nach Paris gezogen ist, erinnert sich an Najib. Nicht nur an Najib. Auch an seine Herkunftsfamilie. An seine sechs Schwestern. Daran, wie „anderssein“ sich anfühlte und nur unter Qualen lebbar oder nicht lebbar war.

An Najib, einige Jahre älter als Youssef. Beide schwul, beide schwul in einem Land, das Schwule verachtet. Youssef bleibt nicht in den Erinnerungen stecken, er emanzipiert sich. Starke Worte zeigen den Wandel:

„Ich habe Glück. Ich bin ein Junge, aber ich werde später nicht so ein Mann wie diese jämmerlichen Männer aus unserer großen Familie und aus dem Viertel Hay Salam.“ Und: „Wir lachen über uns. Über die anderen. Und vor allem über diejenigen, die glauben, sie würden über uns bestimmen.“

„Völlig Unbekannte kommen mit den allerbesten Absichten zu uns. Sie spielten uns die Komödie des ehrbaren heterosexuellen marokkanischen Mannes vor, der eine gute marokkanische und muslimische Familie gründen wird.“

Youssef hat sich erinnert – er bricht auf, verharrt nicht. Seine Kraft wächst. Die Rückschau ist schmerzhaft, aber er verharrt nicht. Der letzte Satz – ein Symbol dafür: „Mit bloßen Füßen geht es los.“

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Berührend, einfühlsam, manchmal verwirrend. Wunderbar anders.

Jürgen Wenke, Juni 2026

Frank Müller
Die Stunde der Spatzen

Druck und Vertrieb: Amazon Media, Luxemburg

Jahr 2021, 344 Seiten

ISBN 9788739585356

Stolpersteine inspirieren. Und berühren. Das ist unzweifelhaft. Mehr als 100 Tausend dieser kleinen Betonsteine mit der Messingoberfläche, in die in Kurzform Namen und einige wenige Informationen über Verfolgte der Nazidiktatur eingeprägt sind, zeugen in ganz Europa davon.

Dem Autor Frank Müller gebührt vermutlich die Auszeichnung, einer der Ersten oder sogar der Erste zu sein, der in Romanform eine „fiktive“ Geschichte aus einem Stolperstein entwickelt. Die Geschichte von Robert Neuhäuser, der vor seinem Wohnhaus in Berlin eines Tages den neu verlegten Stolperstein mit dem Namen von Eduard Herschel sieht. Und neugierig wird auf Eduard und dessen Lebensweg. Dann entwickelte sich eine doppelte Geschichte: die von Robert in der Jetztzeit und die von Eduard am Ende der Weimarer Republik bis zur Zeit der offenen NS-Verfolgung und Ausgrenzung. Ausgrenzung all der Menschen, die nicht in das rassistische und menschenfeindliche System der NS-Diktatur und seiner Konstrukteure passen. Eduard, ein schwuler, jüdischer Mann, in einer sogenannten „Lavendelehe“ lebend mit einer „arischen“ Frau, ist aufgrund seiner Doppelstigmatisierung ein besonders gefährdeter Mensch, dessen trauriges Ende „vorprogrammiert“ zu sein scheint. Zunächst wendet sich alles gegen ihn. Ein heimlicher Liebhaber und Karrierist und dessen gebärfreudige Ehefrau werden  zur personifizierten Bedrohung. Doch der Autor schafft es – und ab einem gewissen Wendepunkt wird es auch sehr packend beschrieben – die Verfolgungsgeschichte des Buchhalters Eduard zu wenden zu einer Geschichte mit Gegenwehr.

Dass wir als Lesende noch dazu ganz „nebenbei“ viel erfahren über heutige Forschungen, Spurensuche, Dokumentenfindung und psychische Verarbeitung dessen, was an Grausamkeiten entdeckt und beschrieben wird, ist ein erfreulicher Nebeneffekt. Ebenso erfreulich: Wir erfahren viel über die Freizügigkeit und Toleranz des Berlins der 1920er und 1930er Jahre und es wird erlebbar, wie die Nazidiktatur ihre gräßliche Fratze zeigt und aus Menschen das Schlechte an die Oberfläche befördert und das Gute in ihnen mit Repression erstickt. Aber auch, wie der Widerstand wächst.

Trotz aller Fiktion: Faktenreich und viele historische Zusammenhänge kenntnisreich eingeflochten. Lesenswert! Lesen!

Jürgen Wenke, März 2026

Andreas Brunner
Als homosexuell verfolgt

Mandelbaum Verlag, Wien Museum und Autor 2023,

224 Seiten

ISBN 978-3-99136-017-9

Dieses Buch ist ein „Glücksfall“ für die Erinnerungskultur und die Würdigung von Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt wurden. Schon die Buchgestaltung ist bemerkenswert und zieht uns tief ins Buch,weckt Interesse am Inhalt: Nach dem Aufschlagen des Buches wird nämlich hinter dem rosafarbenen äußeren Buchrücken quasi ein zweiter Rücken in den Regenbogenfarben sichtbar, die einzelnen Farben durchdringen dann auch alle Buchseiten in pastellfarbenen Regenbogentönen.

Doch nicht nur das Erscheinungsbild ist außerordentlich gelungen, auch der Inhalt hat Tiefe, Gewicht, macht betroffen und informiert in jeweils mehrseitigen Kapiteln über Lebens- und Verfolgungswege von Männern und Frauen, die als homosexuell ausgegrenzt und verfolgt wurden. Außerdem gibt es Sachkapitel über die Methoden der Gestapo, über Szenetreffpunkte und andere Orte der Subkultur, über die Verfolgung von weiblicher Homosexualität und Transsexualität. Beispiele von Solidarität und Selbstbehauptung in einer minderheitenfeindlichen Gesellschaft werden thematisiert. Alle Biographien portraitieren Wiener Menschen – und trotzdem weitet sich auch der Blick nach NS-Deutschland, werden z.B. Originaldokumente aus den Lagern Buchenwald und Sachsenhausen gezeigt, werden die Unterschiede zwischen der Verfolgung in Österreich vor und nach dem „Anschluss“ einerseits und dem sogenannten „Altreich“ (Deutschland bis 1938) deutlich.

Beklemmende Schilderungen, Originalfotos und -dokumente lassen in uns eine Ahnung aufkommen, was es geheißen hat, in einer Diktatur zu leben, die keine Gnade kannte. Wie gelang das Überleben? Wo gab es gelebte, erfindungsreiche, aber für die Akteure lebensgefährliche, vom NS-Verfolgungsapparat bekämpfte Solidarität? Welche Akteure des Machtapparates der Nazis verhinderten, dass das Überleben der Verfolgung möglich war? Auf viele Fragen, die beim Lesen entstehen, gibt es in diesem Buch Antworten mit Substanz. Ein berührendes Werk!

Jürgen Wenke

Ergänzung: In dieser Literaturliste gibt es weiter unten die Bücher “Franz” und “Dorothea” des Autors Jürgen Pettinger. Der Autor Jürgen Pettinger verarbeitet in Romanform die Lebenswege von Franz Doms bzw. Dorothea Neff. Im Buch “Als homosexuell verfolgt” gibt es jeweils ein mehrseitiges Kapitel zu diesen beiden Personen: Hingerichtet zum “Schutz der Volksgemeinschaft”(über Franz Doms) und Rettende Liebe (über Dorothea Neff und Lilli Wolf)

Ein weiteres Kapitel löst das “Geheimnis” um das Pseudonym des Autors Heinz Heger, dessen Buch “Die Männer mit dem rosa Winkel” weiter unten auf dieser Literaturliste zu finden ist: Portraitiert ist der KZ-Überlebende Josef Kohout im Kapitel Der Mann mit dem rosa Winkel.

Ronen Steinke
Fritz Bauer

oder Auschwitz vor Gericht
Piper Taschenbuch
ISBN 978-3492307093

Nina Schedlmayer
Hitlers queere Künstlerin

Stephanie Hollenstein

Malerin und Soldat

Zsolnay Verlag, Wien 2025
ISBN 978-3-552-07512-2

Ein eindringliches Bild auf dem Cover: das starke, ausdrucksintensive, kontrastreiche Bild stammt von der Malerin Stephanie Hollenstein aus Österreich.  Der Titel des Buches und der Untertitel ‚“Hitlers queer Künstlerin – Stephanie Hollenstein Malerin und Soldat“ lässt bereits ahnen, dass wir tief in Widersprüche eingeführt werden. Und so wie das Bild ist auch die Künstlerin Stephanie Hollenstein: Expressiv, engagiert für Frauen in der Kunst, besser: für mehr Frauen in der Kunst. Und sie ist überzeugte Nationalsozialistin, lesbisch, in Frauenbeziehungen lebend, rücksichtslos gegenüber Förderern, wenn es opportun ist.  Sie fordert Berufskolleginnen auf, Hitler-Bilder zu malen. Ein starker Charakter und gleichzeitig charakterlos und auf den eigenen Vorteil aus.

Nina Schedlmayer portraitiert Hollenstein – und sagt bereits bei der Buchpräsentation in Wien sinngemäß: Sympathisch ist ihr die Portraitierte durch die intensive Annäherung nicht geworden. Der Zwiespalt bleibt.

Was wunderbar gelingt: Die Zwiespältigkeit der Malerin Stephanie Hollenstein herauszuarbeiten und Bezüge zur heutigen Zeit herzustellen, zu den homophoben Hetzern und Hetzerinnen gegen Gleichstellung, Emanzipation und gesellschaftliche Weiterentwicklung.

Ein sorgfältig und mit viel Faktenwissen gefülltes, detailreiches Buch, das im farbigen Mittelteil eine Reihe der expressiven Hollensteinzeichnungen und -gemälde zeigt. Charakterstärke im Malen und abgründige Charakterschwäche im Leben und im Handeln, unvereinbar? Lesen Sie! Suchen Sie Antworten.

Jürgen Wenke, Oktober 2025

Raimund Wolfert
Nirgendwo daheim

Das bewegte Leben des Bruno Vogel
Leipziger Universitätsverlag
ISBN 978-3-86583-635-9

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas

An dieser Stelle wird kein Buch vorgestellt, sondern ein Interview, dass die Bundestagspräsidentin Bärbel Bas im Magazin “Schwulissimo” gegeben hat. Frau Bas ist mir schon lange bekannt für Ihren Einsatz für die Gleichstellung und Anerkennung von Schwulen und Lesben in dieser Gesellschaft. Sie hat bereits lange, bevor sie Bundestagspräsidentin wurde, die Patenschaft für zwei Stolpersteine in Duisburg übernommen. Und zwar für die aus Duisburg stammenden Männern Paul Friederich und August Zgorzelski. (siehe diese Homepage unter dem Button “Alle Erinnerungsseiten”.

In die Amtszeit von Frau Bas als Bundespräsidentin fällt auch eine besondere Würdigung: Erstmals in der Bundesrepublik wurde am 27. Januar, und zwar im Jahr 2023, der jährlich wiederkehrende Auschwitzgedenktag und die Gedenkstunde im Bundestag dazu genutzt, an die Verfolgung von Homosexuellen in Deutschland während des Nationalsozialismus zu erinnern und der Opfer zu gedenken.

Sie hebt sich damit in Haltung und Handeln deutlich von ihrem Vorgänger im Amt ab: Der unsäglich intolerante CDU-Mann Wolfgang Schäuble hatte jahrelang strickt verweigert, der homosexuellen Opfer zu denken und sie zu würdigen. Alle Initiativen zu diesem Gedenken  im Bundestag hat er in seiner damaligen Funktion als Bundestagspräsident abgeblockt und dass, obwohl die Mehrheit der Abgeordneten im Bundestagspräsidium die Gedenkstunde ausdrücklich befürwortet hatte. Da er aber als damaliger Hausherr im Bundestag die Entscheidungsgewalt hatte, hat er das Bestreben, endlich auch die homosexuellen Opfer zu würdigen, verhindert. Das grenzt an Machtmissbrauch.

Jürgen Wenke

Lutz van Dijk
Verdammt starke Liebe

Die wahre Geschichte von Stefan K. und Willi G.
Verlag Neuer Weg
ISBN 978-3-89656-229-6

Lutz van Dijk
Irgendwann die weite Welt

Querverlag, Berlin 2024
ISBN 978-3-89656-346-0

Das neue Buch von Lutz van Dijk „Irgendwann die weite Welt“ ist ein Roman, Lutz selbst nennt es „fiktionale Erinnerungen“. Er will sich erinnern – und uns – und tut das in einer liebevollen, würdigenden und wertschätzenden Weise. Und erinnert uns alle, dass gute Startbedingungen ins eigene Leben sehr wichtig sind und ein wertvoller Schatz. Dass Grenzüberschreitungen und Respektlosigkeit Wunden hinterlassen. Sowohl bei denen, die Ziel der Übergriffigkeiten sind als auch bei denen, die Gewalt ausüben. Aber er macht Mut und zeigt, dass oftmals ein Ausweg aus scheinbar ausweglosen Verkrustungen zu finden ist. Ein Weg, der manchmal schwierig zu finden ist, aber möglich.

Er schreibt über erste Versuche der Selbstfindung, des vorsichtigen Tastens und des Sich-selbst-Vertrauens, auch und gerade, wenn sich das eigene Empfinden und die Sehnsüchte nach Zuwendung und Liebe und Sex auf das eigene Geschlecht immer mehr und vehement den Weg ins Bewußtsein bahnen.

Am Ende sagt Jan, dessen Leben in Berlin wir vom kleinen Jungen im Vorschulalter in den 1950er Jahren bis zum Aufbruch in eine neue Welt im Alter von 18 Jahren am Anfang der 1970er Jahre kennenlernen: „Damit ist erstmal das Wichtigste gelungen. Und es kann endlich beginnen. Mein eigenes Leben.“

Außerdem wertvoll: Den erfahrenen Autor und kenntnisreichen, engagierten Forscher und Förderer von Emanzipation und Kämpfer für Gleichstellung lernen wir im Kapitel „Ein paar Fakten“ kennen: 21 kurze Abschnitte mit historischen Fakten und Bewertungen – kurz und knapp und prägnanter „Geschichtsunterricht“.

Das Buch: Wunderbar!

Lutz van Dijk
Der Attentäter

Die Hintergründe der Pogromnacht 1938 – die Geschichte von Herschel Grynszpan
Verlag Neuer Weg
ISBN 978-3-88021-527-6

Markus Seidel:
Die letzten Tage vor dem Schweigen

Omnino Verlag, Berlin 2024

ISBN 978-3-95894-287-5

Der berühmte Philosoph und Denker Ludwig Wittgenstein. Wir erleben mit ihm seine letzten Lebenswochen und – tage in dem Roman “Die letzten Tage vor dem Schweigen”. Der Autor Markus Seidel zieht uns hinein in eine  berührende, tiefsinnige Geschichte, die zwischen  Gegenwart einerseits und Erinnerung und Rückschau andererseite in perfekter Weise wechselt und uns die Gedanken, Vorstellungen und Bewertungen des Philosophen näher bringt. Verwoben ist die Endzeite-Geschichte mit einer “Nahezu”- Liebesgeschichte. Der 17jährige Raymond aus der Nachbarschaft wird zum letzten Begleiter des “Herrn Doktor”, wie der junge Mann ihn nennt. Beharrlich und zugewandt und sensibel “knackt” Raymond die Schale des schroffen, verschlossenen Wittgenstein.

Am Ende bleibt das Gefühl: “Schade, dass die berührende Geschichte schon zu Ende ist.” Großartig!            Jürgen Wenke

Robert M. Zoske
Flamme sein
Hans Scholl und die Weiße Rose
Verlag C.H. Beck, München 2018
ISBN 9783406700255
Diese Biographie dokumentiert erstmals auch die Verfolgung von Hans Scholl wegen eines homosexuellen Liebesverhältnisses als Jugendlicher.

Kirsten Boie
Dunkelnacht
„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“
April, 1945. Alle spüren, dass der Krieg und die fürchterliche Ideologie der Nationalsozialisten kurz vor dem Ende stehen. Doch in der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord, ereignet sich das dunkelste Kapitel der damals noch jungen Stadt Penzberg in Bayern. Denn während der einst von den Nazis abgesetzte Bürgermeister zurück ins Rathaus zieht, erlässt die Wehrmacht den Befehl, alle Widerständler sofort hinzurichten. Und zwischen allen Fronten stehen die Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl. Hans Scholl und die Weiße Rose
Verlag Oetinger Hamburg, 3. Auflage 2021
ISBN 9783751200530
auch als Hörbuch erhältlich.

Dieses Buch (Leseempfehlung ab 15 Jahre) zieht die Leserinnen und Leser hinein in die Zeit des Endes des Nationalsozialismus. Die Autorin schreibt  im Nachwort: “Wozu, im Guten wie im Schlechten, sind ganz und gar durchschnittliche Menschen fähig? Diese Frage, die sich mir in Bezug auf die Shoah schon immer aufgedrängt hat, stellte ich mir am vollkommen anderen Beispiel Penzberg neu. Ich wollte darüber schreiben, erst recht in einer Zeit, in der die Verbrechen des Nationasozialismus bei vielen Jugendlichen mehr und mehr in Vergessenheit geraten, in der von manchem laut nach einem Schlussstrich gerufen wird und die Taten der Nationalsozialisten bei bestimmten Gruppen sogar Bewunderung hervorrufen. Penzberg zeigt: Eine unmenschliche Politik betrifft am Ende selbst diejenigen, die glaubten, unbeteiligt sein zu können.”

Jürgen Wenke: “Ein gelungenes Buch, emphatisch und nicht belehrend. “

Ben Shattuck
Die Geschichte des Klangs

Zwei Kurzgeschichten in einem Buch: Ben Shattuck zeichnet in der ersten die kurze Liebesgeschichte von Lionel und David. Sie hält nur einen Sommer. Im Jahr 1920. Liebe, Freundschaft, Verlust, berührend verwoben. Und in der zweiten ist zunächst unklar, wie sie mit der ersten Geschichte verbunden ist. Eine Auflösung, die in die Vergangenheit führt und in der Gegenwart von Bedeutung ist. Gute gezeichnete Figuren und eine poetische Sprache sind hohe Qualitäten in diesem Band von 102 Seiten.

Hanser Verlag, München 2025

ISBN 978-3-446-28424-1

Manfred Herzer
Magnus Hirschfeld
Leben eines jüdischen, schwulen und sozialistischen Sexologen
Campus Verlag, Frankfurt a.M. 1992
ISBN 3593346192

Oliver Bieber
Magnus

Hentrich&Hentrich Verlag, Berlin Leipzíg, 2024
ISBN 978-3-95565-645-4

Der Jugendroman Magnus spielt in den 1920er und 1930 Jahren. Die Jugendlichen Hilde und Martin entdecken die Liebe, ihre Bedürfnisse, ihr Erwachsenwerden. Anders als die anderen, erhalten sie Unterstützung von Magnus. Magnus ist der renommierte, aber auch wg. seiner Herkunft und seines Bestrebens, Forschung und Aufklärung über Sexualität, Homosexualität, Verhütung, Transsexualität voranzubringen massiv angefeindete Wissenschaftler und Arzt, Dr. Magnus Hirschfeld. Es entwickelt sich ein spannender Kriminalroman. Die heraufziehende Kastastrophe der Naziherrschaft wird begreifbar und zeigt ihr intolerantes Gesicht. Nicht nur für Jugendliche lesenswert sondern auch für Erwachsene.

Ein wunderbar geschriebenes, spannendes und einfühlsames Buch, das Bilder im Kopf erzeugt, uns mitfiebern lässt und gleichzeitig ohne Belehrung viel Wissen über die Lebenswirklichkeit und Geschichte von Schwule, Lesben, Transsexuellen vermittelt.                  Jürgen Wenke

Jürgen Pettinger
Franz
Schwul unterm Hakenkreuz
Format 13,5 x 21,5 cm | 192 Seiten
Hardcover
ISBN 978-3-218-01286-7
Verlag Kremayer&Scheriau, Wien, 2021
Auch als E-Book erhältlich

Eine mitreißende und berührend erzählte Biografie eines Homosexuellen während der NS-Zeit. Franz Doms ist eines der vergessenen Opfer der NS-Justiz. Wie tausende andere schwule Männer wurde er verfolgt, diskriminiert, inhaftiert und schließlich zum Tode verurteilt. 1944 starb er im Alter von 21 Jahren im Hinrichtungsraum des Landesgerichts Wien. Bis zu seinem Tod blieb er loyal und denunzierte nie andere, um sich selbst zu retten. Jürgen Pettinger hat sich intensiv mit Franz Doms Leidensweg auseinandergesetzt, erzählt bildhaft, was über sein Leben bekannt ist, zitiert aus überlieferten Ermittlungs- und Gerichtsakten und bildet Dialoge anhand von Gesprächsprotokollen nach. Doch Pettingers Zugang ist mehr als eine bloße Rekonstruktion der Fakten. Er taucht tief in die Welt Franz Doms’ ein und zeichnet dessen letzte Lebensjahre auf intime und packende Weise nach, wodurch sein tragisches Schicksal, das exemplarisch für die systematische Verfolgung Homosexueller während des NS-Regimes steht, nah und spürbar wird.

“Das Buch: Berührend, Zeitgeschichte intensiv erlebbar, – es füllt mehr als eine Lücke zu den bewusst vergessenen Opfern des Nationalsozialismus.” Jürgen Wenke

Hinweis: Weiter oben befindet sich eine Besprechung des Buches von Andreas Brunner “Als homosexuell verfolgt” Darin befindet sich ein mehrseitiges, bebildertes Kapitel über Franz Doms unter dem Titel: Hingerichtet zum “Schutz der Volksgemeinschaft”.

Jürgen Pettinger
Dorothea
Queere Heldin unterm Hakenkreuz
192 Seiten
ISBN 978-3-218-01404-5
Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 2023

Du bleibst bei mir!“
Die berühmte Schauspielerin Dorothea Neff (1903–1986) nahm ab 1940 ihre jüdische Freundin Lilli Wolff als U-Boot in ihrer Wohnung auf. Mit viel Mut, Opferbereitschaft und List gelang die Geheimhaltung. Aber 1944 musste Lilli mit einem Tumor in der Brust ins Krankenhaus. Wie sollte sie operiert werden, ohne aufzufliegen? Jürgen Pettinger rollt den Fall neu auf, spürt in den Dokumenten und von ihm wiederentdeckten Tonaufnahmen der Beziehung der beiden Frauen nach und zeigt, dass queere Aktivist:innen von heute auf den Schultern der queeren Held:innen von damals stehen.

Hinweis: Weiter oben befindet sich eine Besprechung des Buches von Andreas Brunner “Als homosexuell verfolgt” Darin befindet sich ein mehrseitiges, bebildertes Kapitel über Dorothea Neff und deren Freundin Lilli Wolf unter dem Titel: Rettende Liebe.

Magda Kalandadse

Das zweite Zimmer
aus dem Georgischen übersetzt von Rachel Gratzfeld
159 Seiten
ISBN 978-3-948259-31-0
Verlag Friedrich Mauke, Weimar 2024

Der Textanfang auf dem rückseitigen Buchdeckel:
“Elene lebt in Tbilissi, der Hauptstadt Georgiens. Und Elene liebt eine Frau. Doch das soll niemand wissen.”

Was sich dann entwickelt, als Elene aus Geldmangel in ihrer Wohnung ein Zimmer an die LGBTQ-Aktivistin Lena vermietet, wird in sehr dichter, eindringlicher Form erzählt. Wir erleben, wie Elene sich mühsam aus ihrem Kokon von Selbstzweifeln und Angst befreit – angestoßen durch die neue Mitbewohnerin und deren Freunden und Freundinnen.  Fast atemlos erleben wir, wie sie sich selbst im repressiven, homohoben Staat Georgien Elene wandelt und kleinste Veränderungen einleitet – um am Ende des Romans zwar nicht als “Heldin” aber als solidarische lesbische Frau richtige Schritte für sich und Lena und deren Mitstreiterinnen gegen ein ablehnendes System zu tun – trotz Selbstzweifeln und eigener Unsicherheit.  Dass wir am Ende des Buches im Anhang in kurzen Erläuterungen und im Glossar noch mehr über die schwierige Situation von queeren Menschen im konservativ christlich-orthodoxen Georgien erfahren und welche ablehnende, deskruktive und gewalttätige Rolle die Kirche dabei spielt, macht das Buch zusätzlich wertvoll.

Jürgen Wenke, November 2024

Albert Knoll (Hrsg.)
Der Anschlag auf Magnus Hirschfeld
Text Umschlagrückseite: “Der Berliner Arzt und Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (1868-1935) war Pionier der Homosexuellenbewegung. Mit der Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (1897) und des Instituts für Sexualwissenschaft (1919) setzte er deutliche Zeichen der Aufklärungsarbeit. Eine seiner zahlreichen Vortragsreisen führte ihn am 4. Oktober 1920 nach München. Nach der Veranstaltung schlugen Reaktionäre ihn brutal zusammen. Albert Knoll (Hrsg.), Erwin In het Panhuis, Philipp Gufler und Ralf Dose beleuchten die Tätigkeit Hirschfelds, das Geschehen in München und seine Hintergründe.”
Forum Queeres Archiv München, 2020, 88 Seiten
ISBN 9783935227230

Ein wichtiger Beitrag über einen der wichtigsten Männer der Schwulenbewegung in Deutschland. Aufgezeigt wird eindrücklich, unter welch schwierigen politischen Bedingungen und unter welchen massiven Bedrohungen Hirschfeld sein Engagement in Sachen Aufklärung und Vorurteilsabbau leistete. J. Wenke

Harm-Peter Dietrich
Danke, Gustav!
Harm-Peter Dietrich lässt uns teilnehmen. Er (Jahrgang 1936) hat fast 90 Jahre Lebensgeschichte zu erzählen.  Und mehr als das: Er bindet seine eigenen Erlebnisse von der ersten Selbsterkenntnis bis zum selbstbewußten schwulen Mann ein in das Zeitgeschehen, von der immer noch braun gefärbten Nachkriegsgesellschaft unter den Kanzlern Adenauer, Erhard und Kiesinger über die  erste Reform des unsäglichen Verfolgungsparagraphen 175 unter Justizminister Gustav Heinemann (daher der Buchtitel) bis in die heutige Zeit. Und Dietrich hat viel beizutragen, denn er hat – beruflich und privat – viel gesehen und erlebt an unterschiedlichsten Orten unseres  Planeten. Er nennt es: “Mein schwules Jahrhundert”

Wie er das macht: Mitfühlend, selbstbewusst, mit viel Humor, an manchen Stellen mit Sarkasmus und mit der nötigen Kritik an den Verhältnissen und an denen, die ihre Macht gegen Gleichheit und Freiheit und guten Lebensbedingungen für alle  missbrauchen. ”
Vergangenheitsverlag Berlin, 2024, 365 Seiten
ISBN 978 3 86408 334 1

Wie lebt ein schwuler Mann in einer Welt, die überwiegend von Heteros gemacht ist für Heteros? Das Buch gibt vielfältigste Antworten!  Danke, Harm-Peter! Wunderbar.           J. Wenke

Manfred Herzer
Magnus Hirschfeld und seine Zeit
Dieses Buch erzählt von Leben und Werk des jüdischen, sozialdemokratischen und schwulen Arztes Magnus Hirschfeld (1865-1935), der am Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin die weltweit erste Emanzipationsbewegung der Homosexuellen initiierte.
Verlag DEGRUYTER, Berlin/Boston 2017, 456 Seiten
ISBN 9783110547696

Ohne Hirschfeld ist die Emanzipation schwuler Männer nicht vorstellbar. Der wichtigste Aktivist in Sachen Gleichberechtigung aus der Zeit vor 1933 wird in diesem ausführlichen Portrait gewürdigt – und die Zeit und die Bedingungen seines Engagments ausführlich dargestellt. Ein wichtiges Buch, – auch für alle, die sich mit der Geschichte der Schwulenbewegung insgesamt auseinandersetzen wollen.
J. Wenke

Comic:
Dufrane, Vicanovic, Lerolle
Rosa Winkel
Aus dem Französischen: „Triangle Rose“
Deutschsprachige Ausgabe
Verlagshaus Jacoby & Stuart, Berlin 2012
ISBN 9783941787797

Andreas Sternweiler (Hrsg.)
Fotos sind mein Leben: Albrecht Becker
Verlag Rosa Winkel, 1993, ISBN 9783861490173
aus dem Vorwort von Andreas Sternweiler: “Die Möglichkeit, Albrecht Becker zu seinem Lebensweg zu befragen, stellt einen Glücksfall dar für die Forschung zur Situation der Homosexuellen in der NS-Zeit.”

Empfehlung von Jürgen Wenke:
Ich hatte das Glück, Albrecht Becker (1906-2002) kennengelernt zu haben und ihn bei vielen Gelegenheiten erleben zu können.  Von großer Bedeutung für das Verständnis der Schwulenverfolgung ist das Buch-Kapitel: Albrecht Beckers Leben im Spiegel der Gestapo-Dokumente. Es beschreibt exemplarisch am Beispiel der Stadt Würzburg die Situation von Schwulen während der NS-Zeit in einer mittelgroßen deutschen Stadt.

Andreas Sternweiler (Hrsg.)
Und alles wegen der Jungs
Pfadfinderführer und KZ-Häftling: Heinz Dörmer
Verlag Rosa Winkel, 1994, ISBN 3861490307
aus dem Vorwort von Andreas Sternweiler: “Heinz Dörmer hat einen großen Teil seines Lebens hinter Gefängnismauern und Stacheldraht verbracht. Sein Triebschicksal, sich vorwiegend in pubertierende Jünglinge zu verlieben, hat ihn quer durch die wechselnden deutschen Systeme ins Unrecht gesetzt. Unbeschwerte Erinnerungen gibt es nur an seine Jugendzeit in der Weimarer Republik.”

Andreas Sternweiler (Hrsg.)
Frankfurt, Basel, New York: Richard Plant
Verlag Rosa Winkel, 1998, ISBN 386149082X

Andreas Sternweiler (Hrsg.)
Liebe, Forschung, Lehre: Der Kunsthistoriker Christian Adolf Isermeyer
Verlag Rosa Winkel, 1998, ISBN 386149082X
Auszug aus des der Rückseite des Buchdeckels: “Christian Adolf Isermeyer, 1908 geboren in Goslar, stammt aus einer großbürgerlichen Familie. (…) Der Krieg führte ihn nach Frankreich, als Dolmetscher nach Nordafrika, (…) und in kanadische Gefangenschaft.  (…) 1961 war er federführend an einer Petition an den Deutschen Bundestag zur Abschaffung des § 175 beteiligt.”

Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.)
Lebenswege lesbischer Frauen
Konzeption und Text: Ulrike Hänsch, Fotos: Hanne Horn Die Broschüre hat 199 Seiten. Erschienen: April 2002. Sie ist nicht im Buchhandel erhältlich, jedoch antiquarisch möglicherweise über Suchfunktion im Internet.

 

Dirk Kämper
Fredy Hirsch und die Kinder des Holocaust
Die Geschichte eines vergessenen Helden aus Deutschland
Orell Füssli Verlag, Zürich 2015, ISBN 9783280055885

aus dem Umschlag:
Fredy Hirsch wird Tausenden Kindern zum Inbegriff der Hoffnung. Hunderten wird er zum Lebensretter. “Er war unser Gott”, werden sie später über ihn sagen. Und: “Ich weiß nicht,  ob es eine  Kategorie für jüdische homosexuelle Heilige gibt, aber Fredy Hirsch verdient es, kanonisiert zu werden für die vielen Wunder, die er vollbracht hat.”

Gertrud Schloß
Die Nacht des Eisens
Gedichte
Mit einem  biografischen Essay:
Lea Gertrud Schloß – Jüdin, Lesbe, Schriftstellerin und Sozialdemokratin, von Tamara Breitbach
éditions trèves,  Trier 2019
ISBN 9783880816114

Neben der Wiederveröffentlichung von Gedichten von Gertrud Schloß enthält das Buch einen weiteren wichtigen Beitrag: Auf 40 Seiten stellt Tamara Breitbach den Lebens- und Verfolgungsweg von Gertrud Schloß (Jg. 1899) dar. Der Weg begann in Trier und endete mit der Ermordung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1942.
Es sei hier auch auf die Verwandtschaft mit den Zwillingsbrüdern Ernst und Leo Salomon (Jg. 1894) aus Trier verwiesen (die ausführlich auf dieser Homepage dargestellt werden), Gertrud Schloß war deren Cousine. Sowohl für Gertrud Schloß als auch ihren Bruder Heinrich (1902) und ihre Mutter (Jg. 1892) als auch für die Salomon-Zwillinge Ernst und Leo wurden in Trier Stolpersteine verlegt.
Jürgen Wenke

Alexander Zinn
Das Glück kam immer zu mir
Rudolf Brazda – Das Überleben eines Homosexuellen im Dritten Reich
Campus Verlag, Frankfurt a.M. 2011
ISBN 9783593394350

Andreas Burmester
Versandung     Annäherung an eine einzige gesprochene Andeutung
Vergangenheitsverlag, Berlin 2020, ISBN 9783864082603

Textauszug von der Rückseite des Buchumschlages:
“Eine Tante fehlt
Ihre Epilepsie, ihre Gewalttätigkeit und ihre Liebe zu Frauen bleiben in den Gesprächen der Familie über Generationen ein bloße Andeutung. Ihre Ermordung wurde verschwiegen, die Umstände verdrängt und vergessen: Ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse, als ich begann, mich dem Leben meiner Tante Ursula Luise Murawski zu nähern. (…) Meine Annäherung gibt Ursula Luise Murawski ihren Namen und ihr Gesicht zurück – einem von über 300.000 Euthanasieopfern des Nationalsozialismus.”

Friedrich Dönhoff
Ein gutes Leben ist die beste Antwort
Die Geschichte des Jerry Rosenstein
Diogenes Verlag, Zürich 1014, ISBN 9783257069020

Textauszug von der Rückseite des Buchumschlages:
“Lange hat Jerry Rosenstein geschwiegen. “Aber jetzt”, sagt er, “muss ich erzählen. Weil ich zu den letzten Zeugen gehöre.” In der hessischen Provinz geboren, wuchs Jerry in Amsterdam auf, bis er im Alter von fünfzehn Jahren deportiert wurde und über mehrere Lager nach Auschwitz kam. Mit unendlich viel Glück und dem richtigen Instinkt hat er diese Zeit überlebt. Danach wollte Jerry nur noch eins: frei sein. Und das hat er auch geschafft: Er hat sich finanzielle, sexuelle und geistige Freiheit erkämpft.”

 

Heinz Heger
Die Männer mit dem rosa Winkel
Der Bericht eines Homosexuellen über seine KZ-Haft von 1939-1945
Merlin-Verlag, Hamburg 1972
ISBN 3875360265

Empfehlung: In dem beeindruckenden Buch von Andreas Brunner “Als homosexuell verfolgt” (2023, Mandelbaum Verlag), siehe weiter oben in dieser Literaturliste, wird das “Geheimnis” um die Person hinter dem Autoren-Pseudonym “Heinz Heger” gelüftet im Buchkapitel mit der Überschrift “Der Mann mit dem rosa Winkel”. Wer war der Mann, der Konzentrationslager überlebte und sich beim Erscheinen des Buches in den 1970er Jahren noch durch ein Pseudonym schützte?

Michael Bochow, Andreas Pretzel (Hg.)
Ich wollte es so normal wie andere auch
Walter Guttmann erzählt sein Leben
Männerschwarm Verlag, Hamburg 2011
ISBN 9783863001025

Text Umschlagrückseite:
“Ist Walter Guttmann ein Holocaustüberlebender oder eher ein jüdischer Homosexueller oder ein homosexueller Israeli mit deutsch-holländischem “Migrationshintergrund”? Seine Lebensgeschichte entzieht sich offensichtlich solchen Festschreibungen, auch wenn sie durchaus Facetten seines Lebens widerspiegeln. Identität, das wird an seinem Bericht deutlich, erben wir nicht, wir gestalten sie in historischem Kontext. Thomas Rahe”

Andrea Behnke
Die Verknöpften
Ariella Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783945530337

Der Roman ist eine fiktive Erzählung basierend auf historischen Ereignissen in der Stadt Bochum. Die Lehrerin Else Hirschberg, die an der Jüdischen Schule in Bochum unterrichtete und später im Ghetto Riga ermordet wurde, ist Ausgangspunkt für die Entstehung dieser Erzählung gewesen.
Für Kinder ab 10 Jahren und zum gemeinsamen Lesen für die ganze Familie.

“Ich wünsche jedem Kind Eltern, die dieses Buch vorlesen!” Jürgen Wenke

Karen Susan Fessel
Blindfisch
Oetinger Verlag, Hamburg 2022
ISBN 9783751202602

“Lon sehnt sich: danach zu fühlen, zu spüren. Und zu sehen. Aber was, wenn ein Teil davon nach und nach in die Dunkelheit driftet?” Soweit der Beginn des Textes auf der Buchrückseite.

Mit dieser Geschichte über den Jugendlichen Lon berührt die Autorin uns in unseren elementaren Bedürfnissen nach Geborgenheit, Gemeinsamkeit und Miteinander. Das Buch erscheint mir wie die gelungene Roman-Umsetzung der Sätze von Antoine de Sant-Exupéry: “Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.”

Ein Buch für Jugendliche, nicht nur in der Phase der Selbstfindung und Vergewisserung –  und auch für alle, die sich gerne berühren lassen!  Jürgen Wenke

Klaus Reichold
Keinen Kuß mehr! Reinheit! Königtum!
Ludwig II. von Bayern (1845-1886) und die Homosexualität

Forum Homosexualität und Geschichte, München,  2003, 80 Seiten
ISBN 3935227094

Schon zu Lebzeiten war die Homosexualität Ludwigs II. in vielen Kreisen kein Geheimnis, wurde später dann aber lange mehr oder weniger verdrängt bzw. schamhaft übergangen. Diese Studie bringt eine ganze Reihe historischer Zeugnisse, die auch in Zusammenhang mit der Absetzung und Entmündigung des Königs zu überraschenden Schlussfolgerungen einladen.

3. Coming out … und mehr

Benjamin Alire Sáenz

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Roman

Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart 2023
ISBN 978 3 522 20290 9

Die Teenager Aristoteles und Dante begegnen sich im Schwimmbad. Der Eine kann, was der andere noch nicht kann.  Schwimmen.  Daraus entwickelt sich eine Freundschaft und die ist anders, als es beide erwartet haben.

Die beiden Einzelgänger nähern sich an – und deren Eltern sehen und bemerken Veränderungen bei ihren Söhnen, die die beiden Teenager erst – manchmal schmerzhaft – selbst akzeptieren lernen.

Ein wunderbares Buch, eine mutmachende Geschichte – glänzend erzählt, berührende Dialoge, erkenntnisreiche Selbstgespräche.  Aristoteles und Dante kommen dem Leser/der Leserin nah und sich selbst und einander.

Das Buch ist es wert,  hier in dieser Rubrik an erster Stelle zu stehen.

Die Verfilmung ist ebenso gelungen!

Jürgen Wenke

Benjamin Alire Sáenz

Aristoteles und Dante springen in den Strudel des Lebens

Roman

Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart 2023
ISBN 978 3 522 20282 4

Wie geht es weiter mit der Beziehung zwischen  Aristoteles und Dante?

Ein ebenso wunderbares Buch wie der erste Band “Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums” – ebenso glänzend erzählt! Wer den ersten Band gelesen hat, kommt an dem zweiten Band nicht vorbei.            Jürgen Wenke

Benjamin Alire Sáenz

Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums

Der Film zum Buch.

DVD USA 2022, 94 Minuten, Ton Deusch, Ton Englisch/Spanisch

Ebenso gelungen wie das Buch!

Seán Hewitt

Öffnet sich der Himmel

Suhrkamp Verlag, Berlin, 2025

ISBN 978-3-518-43257-0

James ist am Ende seiner Ehe mit seinem Ehemann. Er denkt sich zurück zu seinem Leben vor mehr als zwanzig Jahren. Er sucht die Orte seiner Jugend auf: seiner ersten Verliebtheit, seiner ersten Liebe, seines Erwachsens, seiner Begierde, seiner Enttäuschungen. Elternhaus, Schule, das Haus, in dem er auf Luke trifft. Luke entfacht ein Feuer in ihm, bringt alles in James zum Leben. James, ein junger Mann im comingout. Ein junger Mann, der versucht, mit Unsicherheiten, eigenen und fremden Anfeindungen, mit Gelüsten und den ihn verwirrenden Gefühlen seinen Weg zu finden. Wir leiden mit, wir empfinden mit, wir fiebern mit. Der Autor zieht uns hinein in eine Geschichte, die das Sehnen und die Suche nach Klarheit, Wahrheit und Liebe in den Mittelpunkt stellt.

Wundervoll, dicht: eine Atmosphäre „erzaubert“, die uns nicht loslässt. 

Lennart Herberhold

Queere Einsamheit Queere Gemeinschaft

Querverlag, Berlin, 2026

ISBN 978389656306

Der Text auf dem hinteren Buchdeckel:

WER BIST DU?

Ein schwuler Mann um die sechzig, der auf Grindr nach Nähe sucht? Eine non-binäre Person mitten im Coming-out? Lebst du auf dem Landund versteckst dein Queersein? Oder in der Metropole, wo alles geht – außer, Liebe zu finden? Sitzt du in einer Single-Wohnung und fragst dich, wie das funktionieren soll, wenn du alt bist? Oder in einer Mehrgenerationen-WG? Egal, wer du bist: Dieses Buch ist für dich. Es nimmt dich mit auf eine Reise durch das queere Deutschland. Du lernst Menschen zwischen fünfzehn und fünfundachtzig kennen, die dir von ihrer Einsamkeit erzählen – und davon, wie sie queere Gemeinschaft suchen und finden.

Dieser Einführung möchte ich noch hinzufügen:

Der Autor hat durch die Personenportraits Anknüpfungspunkte geschaffen, bleibt nicht abstrakt sondern läßt uns andocken und teilhaben. An seinen Begegnungen mit Schwulen, Lesben, Transmenschen, usw.

Auch die Verbindungen zu den gesellschaftlichen Veränderungen der Schwulen- und Lesbenbewegungen seit der Nachkriegszeit – von einer queeren Zeit war damals nicht die Rede – nimmt er in den Blick. Ebenso aber auch die Situation von Menschen, die sich heute als queer bezeichnen und im Meer des anonymen Digitalen schwimmen lernen oder sich verlieren. Und wie das individuelle Leben in Verhalten und Empfinden zunehmend wieder von der „neuen“ Minderheitenfeindlichkeit durch das Erstarken von rechtsfaschistischen Gruppierungen mitbestimmt und eingeschränkt wird. Ein wichtiges Buch für alle, die nicht einer heteronormativen Wirklichkeitskonstruktion „in die Falle gehen“ wollen, sondern Selbstbestimmtheit und Demokratie als die beiden Seiten einer Medaille begreifen und Vielfalt als Bereicherung erleben und begreifen.

Super!

Jürgen Wenke 

Julya Rabinowich

Mo & Moritz

Hanser Verlag , München, 2026, 220 Seiten

ISBN 978-3-446-28589-7

Wie finden sie sich in einer Welt, in der die Gegensätze aufeinanderprallen? Wie finden sie zusammen? Der selbstunsichere Mo (dessen vollständiger Name Mojad ist, der aber nicht so genannt werden möchte und sich selbst als Mo vorstellt) und der zielstrebige Moritz, der sich auch Mo nennt. Die Gegensätze: Der Flüchtlingssohn Mo mit radikalem Bruder und neugieriger Schwester – auf der anderen Seite das Einzelkind Moritz mit freigeistigeren Eltern. Gegensätze der Religionen, Gegensätze von einengenden Wohnverhältnissen und großzügiger Altbauwohnung. Harter Kontrast zwischen traditionellen patriarchalischen Familienerwartungen und Spielraum zur eigenen Bildung und Entwicklung. Und dazwischen entwickelt sich eine Liebesgeschichte, die heimliche Liebe zwischen zwei Jungs, die sehr unterschiedliche Chancen am Lebensanfang vorfinden. Wie die Hindernisse sich auftürmen und welche Entwicklung die beiden nehmen, davon erzählt diese Geschichte, in der vieles nur andeutungsweise erzählt wird und am Ende einige hoffungsvolle Lichtblicke lässt. Beginnt das, was sie sich erhoffen? Das Zeitalter von Mo und Moritz? Viel Spielraum für Leserinnen und Leser. 

Jürgen Wenke, März 2026

Unzählige schlaflose Nächte

Carina Maggar

Unzählige schlaflose Nächte

Eine Sammlung von Coming-out-Geschichten und Erfahrungen

Laurence King Verlag, Berlin 2024
ISBN 978 3 96244 343 6

Die Autorin hat viele Coming-out-Geschichten zusammengetragen – aus England, Schottland, Deutschland, USA, Israel, Brasilien, usw.  Von Schwulen, Lesben, Transgender, Bisexuellen. Die Menschen kommen selbst zu Wort. Und erzählen von guten und schlechten Erfahrungen, von Eltern, Freunden, Brüdern, Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen. Von Vorbildern und Unterdrückern und Unterdrückerinnen.

In diesem Buch erzählen Menschen von sich und sagen unglaublich viele mutmachende, wunderbare Sätze. Ein großer Gewinn. Und ein Ratgeber für alle, die in irgendeiner Weise im Umgang mit Söhnen, Töchtern, Freunden usw. einen guten Draht behalten oder wieder erlangen möchten.

Jürgen Wenke

Lutz van Dijk
Irgendwann die weite Welt

Querverlag, Berlin 2024
ISBN 978-3-89656-346-0

Das neue Buch von Lutz van Dijk „Irgendwann die weite Welt“ ist ein Roman, Lutz selbst nennt es „fiktionale Erinnerungen“. Er will sich erinnern – und uns – und tut das in einer liebevollen, würdigenden und wertschätzenden Weise. Und erinnert uns alle, dass gute Startbedingungen ins eigene Leben sehr wichtig sind und ein wertvoller Schatz. Dass Grenzüberschreitungen und Respektlosigkeit Wunden hinterlassen. Sowohl bei denen, die Ziel der Übergriffigkeiten sind als auch bei denen, die Gewalt ausüben. Aber er macht Mut und zeigt, dass oftmals ein Ausweg aus scheinbar ausweglosen Verkrustungen zu finden ist. Ein Weg, der manchmal schwierig zu finden ist, aber möglich.

Er schreibt über erste Versuche der Selbstfindung, des vorsichtigen Tastens und des Sich-selbst-Vertrauens, auch und gerade, wenn sich das eigene Empfinden und die Sehnsüchte nach Zuwendung und Liebe und Sex auf das eigene Geschlecht immer mehr und vehement den Weg ins Bewußtsein bahnen.

Am Ende sagt Jan, dessen Leben in Berlin wir vom kleinen Jungen im Vorschulalter in den 1950er Jahren bis zum Aufbruch in eine neue Welt im Alter von 18 Jahren am Anfang der 1970er Jahre kennenlernen: „Damit ist erstmal das Wichtigste gelungen. Und es kann endlich beginnen. Mein eigenes Leben.“

Außerdem wertvoll: Den erfahrenen Autor und kenntnisreichen, engagierten Forscher und Förderer von Emanzipation und Kämpfer für Gleichstellung lernen wir im Kapitel „Ein paar Fakten“ kennen: 21 kurze Abschnitte mit historischen Fakten und Bewertungen – kurz und knapp und prägnanter „Geschichtsunterricht“.

Das Buch: Wunderbar!

Beate Lakotta / Walter Schels
Trans*

Don´t judge my yourney

Gabriel in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart 2025
ISBN 978 3 522 30756 7

Wenn Kinder , Jugendliche oder junge Erwachsene erleben, dass ihr Körper und das empfundene Geschlecht nicht zusammenpassen, sind viele Dinge wichtig: Gute GesprächspartnerInnen, vertrauensvolle Personen im Umfeld und vor allem: Gute Beispiele, wie andere ihre Herausforderungen gemeistert haben. Diese Buch lässt “Betroffene” zu Wort kommen und zeigt mutige junge Menschen, die sich selbst als trans* bezeichnen, die unterschiedliche Wege gegangen sind. Es macht Mut, zeigt Erfolge, Hürden, Selbstzweifel und Selbsterkenntnisse.

Ein wichtiges und sensibles Buch, das nicht belehrend, sondern ermutigend aufruft: Finde Deinen eigenen Weg!

Wunderbar, mit wieviel Mut und Kompetenz Leo, Ben, Maxine, Lara und viele andere hier ihre sehr unterschiedlichen Erfahrungen beschreiben und wie sie sich zeigen.

“Ich will so werden, wie ich bin!” – Dabei hilft auch dieser eindrucksvolle Band mit seinen Lebensgeschichten.

Jürgen Wenke, Dipl.-Psych.